Kunst

Anton Ribe
REX

Eröffnung: Sonntag 20. Juni 2021 · 12.00 Uhr
Ausstellung: bis Sonntag 11. Juli 2021
Öffnungszeiten: Do - Sa 15 - 18 Uhr · So 14 - 18 Uhr

DECOMPOSE!

Gerne versucht die Gegenwartskunst, uns den Alltag zu erklären. Sie benennt soziale Missstände, deutet, ordnet und bemüht sich nach Kräften, die Welt ein wenig zu verbessern. Diese Übung wirkt zusehends ermüdend.

Anton Riebe, den Dagmar Brand für seine erste Einzelausstellung in die Eisfabrik holt, scheint den entgegengesetzten Weg zu gehen. Die Bestandteile der Wirklichkeit, die Zeichen, Sprachen und Stile, in denen sich darüber sprechen ließe, besiedeln seine Bilder in frappierender Gleichzeitigkeit: eine kleine Berglandschaft wie aus rotem Gelee neben ordentlich drapierten Knöchelchen, die Buchstaben eines Baudelaire-Gedichtes verfangen sich in möhrenartigen Ranken während ein blasses Wildschwein auf seinem ausgestopften Häkeldeckchen irgendwie im Nebel versinkt. Vieles ist ordentlich beschriftet. Aber die Beschriftung ist unleserlich, sie stottert oder benennt etwas ganz anderes. Die landläufige Werteskala höherer Zwecke und Bedeutungen scheint völlig außer Kraft gesetzt.

Konsequenterweise gibt es auch keine Hierarchie wertvoller oder unwürdiger Materialien mehr. Als Bildträger taugen nun Plastiktüten, Schuhkartons, bedruckte Folien und Altpapier.

Wenn viele dieser Arbeiten auf den Wänden und Tischen der Eisfabrik aufeinandertreffen, ergibt sich am Ende denn doch so etwas wie eine höhere Ordnung, nämlich ein großes absichtsloses Ornament, das sich beliebig ausdehnen ließe. Vielleicht ist das die Form, in der es der Bildenden Kunst gelingen kann, Schulmeisterei und Bedeutungszwang hinter sich zu lassen, um wieder ein schönes und riskantes Spiel zu werden.