Preisverleihung & Vernissage
Lockdown Corona

Vernissage am 14.Juli um 19 Uhr

Ausstellung vom 15. Juli - 22. August 2021

Die Galerie ist donnerstags bis sonntags geöffnet, von 12 bis 18 Uhr.

Warum zeigen wir in der GAF eine Corona-Ausstellung, wo uns die Pandemie schon seit fast zwei Jahren in Atem hält?

Zum einen, weil sich Corona in die Geschichte nicht nur unseres Landes unauslöschlich eingeschrieben hat und mit ihren tragischen und existenziellen Auswirkungen zu einem historischen Ereignis geworden ist. Zum anderen, weil viele damit verbundene Geschehnisse und Situationen unserer Alltagssicht auf die Pandemie verborgen geblieben sind. 


Die 6 FotografInnen unserer Ausstellung haben sich Corona auf ganz unterschiedliche Weise genähert. Sowohl was die Themen ihrer Bilder betrifft, als auch die fotografische Handschrift, mit der sie Corona fotografiert haben.

Der Amerikaner Peter Turnley zählt zu den bekanntesten Fotojournalisten der Gegenwart. Er hat in über 90 Ländern der Welt 40 Jahre lang die wichtigsten Ereignisse von internationaler geopolitischer und historischer Bedeutung fotografiert. 43 Mal wurde eines seiner Bilder das Titelbild des amerikanischen Nachrichtenmagazins Newsweek und für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise und drei Ehrendoktorwürden amerikanischer Universitäten. In der GAF zeigen wir einen großen Ausschnitt seines Buchprojektes »A New York-Paris Visual Diary-The Human Face of Covid-19«. In klassischem Schwarzweiß fotografiert, betrachtet Turnley dieses frei finanzierte Projekt, das er in seinen Wohnorten New York und Paris fotografiert hat, als eine »visuelle Hommage an die Menschlickeit aller Helden und Opfer des Weltkrieges gegen den unsichtbaren Feind Covid-19«.

»Restricted Area« lautet der Ttel der Arbeit des Hamburger Fotografen André Lützen. Darin zeigt er Bilder öffentlicher Räume, die normalerweise Orte der Kommunikation, der Begegnung und der Konfrontation sind. Die Pandemie hat den Blick auf diese öffentlichen Räume verändert. Begrenzungen und Abstandsregeln bestimmen unsere Bewegungen. Absperrbänder, Schutzfolien, Abstandsmarkierungen sind die neuen Zeichen und Bilder dieses Teils unsere Geschichte. Nur in der Dunkelheit mit künstlichem Licht fotografiert, wirken seine Bilder wie polizeiliche Tatortfotos. André Lützen hat an der HfbK Hamburg studiert und am ICP in New York. Seine Bilder wurden vielfach ausgezeichnet und u.a. in den Deichtorhallen Hamburg, den Krefelder Kunstmuseen und der Hamburger Kunsthalle ausgestellt.

Die Fotografin Helena Lea Manhartsberger und der Fotograf Rafael Heygster betrachten ihre Arbeit »Corona Rhapsody« als einen Diskussionsbeitrag zu der Frage, was sich in unserer Gesellschaft durch die Pandemie verändert. Ihnen erging es wie den meisten von uns, sie fühlten sich am Anfang der Pandemie »wie in einem surrealen Traum«. Dem haben sie mit dem Fotografieren vieler verschiedener Aspekte und Szenarien der Pandemie Rechnung getragen. Obwohl dokumentarisch fotografiert, wirken ihre mit Blitzlicht beleuchteten Fotos wie theatralische Inszenierungen.

Beide studieren an der Hochschule Hannover Fotojournalismus  und Dokumentarfotografie und waren für Auslandssemester in  Aarhus und Jakarta (Manhartsberger) und Aarhus (Heygster). Heygsters Fotoprojekte wurden mehrfach national und international ausgezeichnet.

Der distopischen Wirkung der Arbeit »Tin City« des Frankfurter Fotografen Niklas Görke, aufgenommen während der Corona-Pandemie in Frankfurt am Main, kann man sich kaum entziehen. Geschuldet ist das auch der ungewöhnlichen Technik des Fotografen. Ausgerüstet mit einem Lastenfahrrad, das er als ein mobiles Labor umgerüstet hat, sind seine Fotografien in dem uralten Kollodiumverfahren aufgenommen worden. Dafür musste er die Aluplatten kurz vor der Aufnahme mit einer lichtempfindlichen Schicht überziehen, in feuchtem Zustand mit einer Großbildkamera ca. 5 Minuten lang belichten und umgehend unter Rotlicht entwickeln. Die Spuren des Prozesses, Verunreinigungen der Chemie und Staub bilden sich ebenfalls auf der Platte ab, die so den Schmutz und Staub der Stadt in sich trägt und den Corona-Lockdown geradezu endzeithaft abbildet.

Kaum jemand hat in Deutschland das Leben während der Corona-Pandemie so breit dokumentiert wie der junge Leipziger Fotograf Ingmar Björn Nolting. »Measure and Middle«, so der Titel seiner Arbeit, bezieht sich auf ein Zitat der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die sprach sich am Beginn der Pandemie in Deutschland für ein Vorgehen mit »Maß und Mitte« aus. Seit März 2020 verfolgt der Fotograf die Pandemie in Deutschland, um ein umfassendes und persönliches Dokument zu schaffen. Dabei sind ihm viele hintergründige Bilder mit sehr großer Tiefe gelungen.

Ingmar Björn Nolting lebt und arbeitet als freiberuflicher Fotograf in Leipzigund ist Mitglied der Agentur laif. Noltings Langzeitprojekte wurden mit nationalen und internationalen Preisen wie dem Getty Reportage Grant, World Report Award und einem VG Bildkunst Stipendium ausgezeichnet. Seine Bilder wurden u.a. im TIME Magazine, ZEIT Magazin, GEO und Stern veröffentlicht.

Die letzte ausgestellte Arbeit hat keine klassische Autorenschaft. Sie besteht aus Fotografien, die während der Corona-Pandemie in vielen Ländern der Welt von Überwachungskameras gemacht wurden. Mal unscharf, oder mit Farbrauschen und Farbverschiebungen. Aufgenommen an öffentlichen Plätzen, in Unternehmen, Schulen, Häusern. Auch sie vermitteln einen Aspekt des Corona-Alltags. Gesammelt und für den Bildschirm aufbereitet hat sie der hannoversche Fotograf Florian Müller.
 

Mehr Informationen findet ihr hier:

www.gafeisfabrik.de



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