EISFABRIK
THEATER IN DIESEN ZEITEN

JUNI

Liebe Freundinnen und Freunde der EISFABRIK,

alles bleibt anders, das war ja vorauszusehen. Aber wie könnte es weiter gehen? Vor dem 3. Mai, das ist bislang klar, wird es jedenfalls keine Kulturveranstaltungen geben. Aber dann?



Kurzfristig und ohne Vorbereitung geht es leider nicht. Deshalb verabschieden wir uns jetzt von unserem Mai-Programm. Im Juni wollen wir dann mit den Proben für die neue COMMEDIA FUTURA-Produktion ZERO mit Minako Seki und Yumiko Yoshioka beginnen. Wie wir Sie daran teilhaben lassen können, diskutieren wir gerade.

Wir haben uns unsere Räume einmal daraufhin angesehen, was gehen könnte, wenn das Versammlungsverbot und die Kontaktbeschränkungen gelockert würden. Maximal könnten wir 15 Zuschauer einlassen. Mit dieser Zahl wäre es möglich, Abstände von 1,50 m zum Nachbarn sowohl im Foyer wie auch im Zuschauerraum einzuhalten. Das Eiscafé müßte geschlossen bleiben. Zusätzliche Schutzmaßnahmen müßten organisiert werden. Wäre das eine Perspektive für Sie als Zuschauer? Wären Sie dabei, wenn wir unter diesen Voraussetzungen wieder öffnen würden? Das ist keine rhetorische Frage. Das ist eine Frage, die uns gemeinsam angeht, uns als Theater-Macher und Sie als Zuschauer.

Aber sind wir das überhaupt noch? Unsere Kollegen von der Theaterwerkstatt Pilkentafel haben dazu einen bemerkenswerten Text geschrieben, den wir hier gerne wiedergeben:

 „Liebes Publikum!

Ja, schon da wird es schwierig: Sind Sie jetzt Publikum?

Nein, jetzt sind sie Leser*in. Ein Publikum sind Sie ja erst im Moment der Aufführung. Also gibt es Sie gar nicht? Doch, Sie als Person gibt es natürlich, aber selbst wenn sie wollten, könnten Sie allein nie Publikum sein, ein Publikum ist immer eine Gruppe. Und das lesen Sie jetzt allein?

Also, an wen wenden wir uns, wenn nicht an ein Publikum.

Und wenn es kein Publikum gibt, gibt es keine Aufführung und wenn es keine Aufführung gibt, gibt es keine darzustellende Kunst? Und was sind wir dann? Sind wir dann nicht mehr Performerinnen oder Schauspieler?

Nun ja, es gibt viel Arbeit, außerhalb der Aufführungen, vor den Aufführungen, Konzepte, Organisation, Proben, aber alles immer auf das eine Ziel hin: Die Aufführung. Aber wie geht diese Arbeit, wenn die Aufführung nicht feststeht? Weder das Wann noch das Wie. Wir wissen, die Welt wird anders sein, aber wie anders? Und wie sollen wir dann wissen, was wir dann wem wie zeigen?

Also ja, wir arbeiten weiter, wir bereiten vor, wir bereiten nach, wir entwickeln Konzepte, schreiben Texte, planen??? Und versuchen, mit dieser Unsicherheit umzugehen, der neuen Unverfügbarkeit des Kalenders.

Und:  Nein, wir werden keine alten Videos als Ersatz zeigen, sondern wir setzen auf die Unersetzbarkeit und Einzigartigkeit der Aufführung und hoffen, wir sehen uns dann wieder.

Und nein, wir sind im Gegensatz zu vielen unserer Kolleg*innen nicht existentiell bedroht. Wenn Sie in dieser Situation Solidarität zeigen möchten, dann wenden Sie bitte Ihren Blick zu den Flüchtlingslagern in Griechenland und den anderen Orten, an denen es keine Absicherung, keinen Sozialstaat, ja, nicht einmal Wasser zum Händewaschen gibt.

Mehr Informationen:

taz.de/Seenotrettung-in-Corona-Zeiten

seebruecke.org/leavenoonebehind

www.proasyl.de

Wir freuen uns schon auf die Zeit, in der wir Sie und Euch wieder bei uns begrüßen dürfen!

Die Theaterwerkstatt Pilkentafel

Wir sehen uns hoffentlich bald in der EISFABRIK wieder.
Ihr Team EISFABRIK



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