Geschichte

„1898 - 1975“ Vorgeschichte I: Von der Brauerei zur Eisfabrik
Erbaut wurde die Eisfabrik gegen Ende des 19. Jahrhunderts (ab 1898), zunächst als Bierbrauerei. Sie wurde nach dem ersten Weltkrieg zur EISFABRIK umgebaut: „Diese Fabrik ist aus der 1889 von hannoverschen Wirten gegründeten „Germania-Brauerei“ hervorgegangen. Die Braustätte ... erreichte in ihren Blütejahren einen Ausstoß von 90.000 Hektolitern, musste jedoch im ersten Weltkrieg ... ihren Betrieb einstellen. Noch im Jahre 1917 gründeten der Direktor und viele der früheren Gesellschafter der Brauerei die Firma „HEUWEG“ (Abkürzung für „Hannoversche Eishaus- und Waren-Einkaufs-Gesellschaft“).

Bald war die neue Firma ... mit einer Tageskapazität von 2.400 Zentnern Klareis in der Lage, den gesamten Bedarf der Stadt Hannover zu decken... Die schweren Bombenangriffe 1943/44 zerstörten die Fabrik zu 90%. Nach der Währungsreform wurde sie wieder aufgebaut und 1954 war die Vorkriegskapazität wieder erlangt. Die Produktion lief noch bis zum Anfang der 70er Jahre...“ („Hannover zu Fuß“).

„1976 – 1986“ Vorgeschichte II: Die Kunst hält Einzug
Nachdem die Eisproduktion eingestellt worden war, siedelten sich auf dem Hof mehrere Kleinunternehmer an, ein Taxi-Betrieb, eine Klimatechnikfirma, Metall verarbeitendes Gewerbe, ein Kunstedelsteinhersteller und ein Betrieb für Lichtpausen. Ende der 70er Jahre entdeckten Künstler die zum Teil ruinöse Industriebrache. Unter der Regie von Hans Hörmann entwickelte sich in der sogenannten Werkstatt Südstadt kulturelles Leben. Bis zu 120 Musiker nutzten die Keller als Übungsräume und in den leerstehenden Hallen fanden Ausstellungen und Konzerte statt. Die Ausstellungen 1. GEGENWART (1982) und 2. GEGENWART (1983) waren vielbeachtete Präsentationen. Elke Schipper und Günter Christmann veranstalteten ihre Hohen-Ufer-Konzerte in der Zentralhalle der EISFABRIK.

Doch gelang es Hans Hörmann ebenso wenig wie seiner Nachfolgerin, der jungen Galeristin und Künstlerin Jill Mercedes, den Kulturbetrieb finanziell auf tragfähige Beine zu stellen. 1986 bildete sich um den EISFABRIK-Mieter, dem Landschaftsarchitekten Andreas Ackermann ein neues Veranstaltungsteam, zu dem Katrin und Gino Tavernini gehörten und zu dem bald auch Wolfgang A. Piontek stieß.

„1987 bis heute“ – Von der Werkstatt Südstadt zum Zentrum für Kunst, Theater und Tanz
Als das Künstlerpaar Tavernini 1987 das FORO ARTISTICO gründete und Wolfgang A. Piontek mit der Theatergruppe COMMEDIA FUTURA in die Südstadt zog, wurde aus der Werkstadt Südstadt die heutige EISFABRIK. Das FORO ARTISTICO entwickelte sich in den 1990er Jahren unter der Leitung von Axel Bohse und Volker Schreiner zum führenden Ort für Medienkunst in Hannover. 1988 weihte Tänzerin Ursula Wagner mit ihrer Gruppe TRANSITO den Schwarzen Saal als Bühne ein. Fortan wurden hier neben Eigenproduktionen von COMMEDIA FUTURA regelmäßig auch Gastspiele und Festivals (u.a. regelmäßig im Mai die TanzTheaterTage). 1999 kaufte der damalige, 1990 gegründete „Trägerverein EISFABRIK“ mit Unterstützung der Stadt Hannover und des Landes Niedersachsen das rund 5.000 qm große Gelände mit den Veranstaltungshallen, Musikübungsräumen und Ateliers. Um die Kaufsumme von 2,1 Millionen DM aufzubringen, kauften mehrere Vereinsmitglieder Atelierräume und wandelten diese in Wohnateliers. Heute wohnen insgesamt 30 Menschen auf dem Gelände der EISFABRIK.

Lange Zeit hatten die EISFABRIKler sich mit unsicheren Ein- bis Zweijahresmitverträgen behelfen müssen. Mit dem Kauf des Geländes ergab sich endlich eine dauerhafte und sichere Grundlage sowohl für die Arbeit des Kulturzentrums als auch für längst überfällige Sanierungsmaßnahmen. So konnte im Bereich der Blauen Halle dank der Unterstützung der Stiftung Niedersachsen 2003 die Fassade renoviert werde. In den Jahren 2007/2008 wurden mit Hilfe von EU-Mitteln aus dem EFRE-Programm und regionalen Förderern die Theatersäle energetisch saniert und die Weisse Halle ausgebaut. 1999 wurde die EISFABRIK mit dem Stadtkulturpreis des Freundeskreises Hannover ausgezeichnet. Im März 2014 zog der Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover in die Blaue Halle ein und betreibt hier die Galerie für Fotografie (GAF).